Pädophile haben es in Messenger-App auf Teenager abgesehen

Triebtäter nutzen die App Kik, um junge Opfer zu finden. Das zeigt die Auswertung von Schweizer Gerichtsfällen.

Darum gehts

  • Internationale Kritik an der Messenger-App Kik, weil sie von Pädophilen missbraucht worden sei.
  • Auch in einem aktuellen Fall eines Gemeindeschreibers in St. Gallen spielte die Nachrichten-App eine Rolle.
  • Bei der Polizei ist das Problem bekannt.

Im August muss sich ein ehemaliger Gemeindeschreiber in St. Gallen wegen mutmasslicher Sexualdelikte vor Gericht verantworten. Die Staatsanwaltschaft listet in ihrer Anklage über 25 potenzielle Opfer unter 18 Jahren auf. Der Beschuldigte soll sie unter anderem auf dem Messenger Kik gefunden haben, der so ähnlich funktioniert wie Whatsapp.

Diese App für Direktnachrichten stand international bereits in der Kritik, weil sie von Pädophilen missbraucht wurde. Nun zeigen Recherchen der «SonntagsZeitung», dass Kik auch hierzulande bei verschiedenen Gerichtsfällen eine Rolle spielte. Zudem offenbart ein Versuch der Zeitung mit dem Profil einer fiktiven 14-Jährigen die Gefahren für Kinder. Das erfundene Mädchen erhielt innert weniger Tage obszöne Nachrichten, Nacktbilder und verwerfliche Angebote – auch von Profilen aus der Schweiz. Bei den kantonalen Polizeikorps ist das Problem bekannt. Sie klagen zum Teil über zu wenig Ressourcen oder gesetzliche Hürden bei der Jagd nach Tätern.

Experten kritisieren zudem das hohe Mass an Anonymität, das Kik seinen Nutzern bietet. «Diese wirkt bei Tätern wie ein Brandbeschleuniger, sie verlieren jede Hemmung», sagt Lothar Janssen, Präsident des Schweizer Instituts für Gewaltfragen, in der «SonntagsZeitung». Kik versprach in den Medien schon vor Jahren Besserung, äussert sich aber aktuell nicht zu den Missständen auf der Plattform.

Quelle: 20min.ch