Statt ein WG-Zimmer teilen sich die Mietwucher-Geschwister diese Villa

Angeblich pflegen sie einen spartanischen Selbstversorger-Lebensstil und wohnen im Kanton Schwyz in einem Zimmer zur Untermiete. Das behaupteten zwei Geschwister, die vom Basler Strafgericht wegen Mietwuchers verurteilt wurden. Recherchen zeigen etwas ganz anderes.

Darum gehts

  • In Basel wurden zwei Geschwister wegen Mietwuchers verurteilt. Vor Gericht wollten sie den Eindruck erwecken, dass sie äusserst bescheiden leben.
  • Recherchen legen den Schluss nahe, dass die beiden in einer stattlichen Villa wohnen. Sie behaupteten, dass sie gemeinsam in einem Zimmer zur Untermiete wohnen.
  • In Basel besitzen sie fünf Immobilien. Allerdings stehen die meisten grösstenteils und schon für längere Zeit leer.

Am Donnerstag verurteilte das Basler Strafgericht zwei Geschwister wegen gewerbsmässigen Wuchers zu bedingten Geldstrafen. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig. Der 46-jährige Architekt und die 51-jährige Bauingenieurin, beide mit Doktortitel, vermieteten winzige Zimmer in einer Liegenschaft an der Färberstrasse in Basel an Personen in Notlage zu überrissenen Preisen. Mittels illegaler Holztrennwände teilten sie die 20 Zimmer der Liegenschaft in 31 Mini-Zimmer auf, die teilweise nur knapp mehr als fünf Quadratmeter massen.

Derart beengte Wohnverhältnisse seien für die beiden ganz normal gewesen, sagten ihre Anwälte vor Gericht. Denn sie selbst würden einen ganz spartanischen Lebensstil pflegen. Die Kinder bescheidener Leute aus dem norditalienischen Aostatal seien Selbstversorger, die sich ein Zimmer teilten, in dem sie zur Untermiete in Wilen bei Wollerau im Kanton Schwyz wohnten. Wo auch ihr Lebensmittelpunkt sei. Fragen zu ihrer Einkommens- und Vermögenssituation wollten die angeblich so bescheidenen Geschwister indes nicht beantworten. Im Verfahren, das sich über Jahre erstreckte, machten sie geltend, dass Buchhaltungsunterlagen einem Wasserschaden zum Opfer gefallen sind. Recherchen von 20 Minuten und der «Basler Zeitung» zeichnen ein ganz anderes Bild der Lebensumstände der beiden.

Wurden Behörden hinters Licht geführt?

Vielleicht sind die Unterlagen in den Pool ihrer Villa auf dem noblen Basler Bruderholz-Hügel gefallen. Dort besitzen die Geschwister ein 9,5-Zimmer-Anwesen im englischen Landhausstil in gehobenem Ausbaustandard mit Partyraum und gepflegter Gartenanlage. Die Villa wurde 2010 im Rahmen eines Konkursverfahrens versteigert und amtlich auf 2,1 Millionen Franken geschätzt. Spätestens 2012 hatten die Geschwister dort ein Domizil begründet, wie aus öffentlich einsehbaren Dokumenten hervorgeht. Auch am Abend nach dem Urteilsspruch brannte in der Liegenschaft Licht und in der Einfahrt stand auch jenes Auto, mit dem die beiden zum Gericht gefahren worden sind. Eine Nachbarin berichtete zudem, dass die beiden seit Jahren dort leben.

Dieser Umstand ist brisant, denn das Schwyzer Migrationsamt führte schon eine Untersuchung, weil es Zweifel hatte am Lebensmittelpunkt der Schwester in Wilen bei Wollerau. Das Verfahren wurde aber eingestellt, da sie offenbar glaubhaft machen konnte, dass sie dort wohnt. Aktuell möchte sie sich einbürgern lassen, wie ihr Anwalt Thomas Hofer vor Gericht ausführte. Mit der Verurteilung dürften die Chancen dafür jedoch stark gesunken sein. Dass die beiden ihren Lebensmittelpunkt im Kanton Schwyz haben, kann zumindest bezweifelt werden. Denn auf die Geschwister ist eine aktive Einzelfirma in Basel eingetragen und sie besitzen hier insgesamt fünf Wohnliegenschaften. 

Häuser gekauft und leer gelassen

Die Geschwister waren offenbar in der Lage, in kürzerer Zeit Millionen in Liegenschaften in Basel zu investieren. Bekannt ist, dass sie 2009 die inkriminierte Liegenschaft an der Färberstrasse für 1,7 Millionen Franken kauften. Weiter gehören ihnen Wohnhäuser an der Gärtnerstrasse, Grenzacherstrasse und Feldbergstrasse. Dies bestätigt auch eine Abfrage der Grundbuchdatenbank des Crowdsourcing-Projekts «Wem gehört Basel?» des Onlineportals «Bajour». Ein Abgleich mit aktuellen, unbeglaubigten Grundbuchauszügen bestätigt dies.

Einige dieser Liegenschaften machten bereits Schlagzeilen. So wurde die Liegenschaft an der Gärtnerstrasse 2017 besetzt, nachdem sie fünf Jahre lang leer gestanden haben soll. Das Besetzer-Kollektiv prangerte damals in einem Schreiben auch an, dass eine weitere Liegenschaft der Geschwister an der Grenzacherstrasse ebenfalls seit Jahren ungenutzt sei. Ein Augenschein zeigt: Die Häuser an der Grenzacher-, Gärtner- und Feldbergstrasse sind entweder fast oder ganz ungenutzt und in bescheidenem Zustand. Die Geschwister können sich offenbar langjährige Leerstände ihrer Immobilien leisten.

20 Minuten konfrontierte die Geschwister und deren Anwälte mit den Recherchen. Eine Frist für eine Stellungnahme liessen sie ungenutzt verstreichen. Die Staatsanwaltschaft prüft einen Weiterzug des Urteils, wie sie auf Anfrage mitteilte. 

Quelle: 20min.ch