Mitarbeitende im Homeoffice melden sich seltener krank

Für den Job setzen sie sich auch an den PC, wenn sie nicht fit sind: Bei Angestellten, die zu Hause arbeiten, registrieren Arbeitgeber weniger Absenzen.  

Darum gehts

  • Von Mitarbeitenden im Homeoffice gehen weniger Krankmeldungen ein. 
  • Economiesuisse-Chefökonom Rudolf Minsch betrachtet es als produktivitätssteigernd, wenn Mitarbeitende auch bei Unwohlsein im Homeoffice weiterarbeiten.   
  • Ein Arbeitspsychologe sagt: «Sich fiebrig mit Medikamenten für die Arbeit aufzuputschen, verzögert den Erholungsprozess.»

Angestellte im Homeoffice fehlen weniger oft. Ihre Sozialpartner gingen davon aus, dass sich Mitarbeitende, bei denen die Arbeit im Homeoffice möglich sei, tendenziell seltener krank meldeten, sagt Dominic Karrer, Junior Communications Manager beim Kaufmännischen Verband Schweiz. «Grund dafür ist, dass sie sich ohne grosse Mühe innerhalb der Wohnung – auch wenn es ihnen nicht gut geht – an das digitale Medium setzen können.»

Eine ähnliche Bilanz zieht die Schweizer Post. «In der Administration verzeichnen wir im Zuge der Pandemie über die gesamte Post hinweg weniger krankheitsbedingte Ausfälle – insbesondere bei den kurzen Absenzen», sagt Post-Mediensprecher Erich Goetschi. Die genauen Gründe dafür habe die Post jedoch nicht erfasst. Weniger Absenzen verzeichnet auch die Swisscom. «Wir haben gesehen, dass die Absenzen seit Frühjahr 2020 im Vergleich zu den Vorjahren in der Tat abgenommen haben bis November 2021», sagt Mediensprecherin Sabrina Hubacher.

«Homeoffice bei Unwohlsein ideal»

Die Swisscom führe dies darauf zurück, dass ein Grossteil ihrer Mitarbeitenden über lange Zeit aus dem Homeoffice gearbeitet habe, sagt Hubacher. Auch seien wegen der behördlichen Massnahmen natürlich Ansteckungen verhindert worden. Zudem wirke sich, Studien zufolge, weniger Pendeln positiv auf die Absenzenquote aus. Auf die Frage, ob es zutreffen könnte, dass sich Mitarbeitende weniger krank meldeten, weil das Homeoffice auch im Krankheitsfall eher zum Weiterarbeiten motiviert, antwortet Hubacher: «Das könnte theoretisch auch zutreffen.» Mangels Analysen oder Befragungen könnten sie dies so jedoch nicht bestätigen. 

Wirtschaftsverbände begrüssen das Verhalten. Bei Husten oder auch bei einem Unwohlsein wie einer Magenverstimmung sei Homeoffice ideal, sagt Economiesuisse-Chefökonom Rudolf Minsch. «Dann können Mitarbeitende die Leistung bringen, die unter diesen Umständen möglich ist. Das ist produktivitätssteigernd.» Arbeitgeber forderten die Mitarbeitenden vor allem dann auf, zu Hause zu arbeiten, wenn sie leicht angeschlagen seien. «Jede Firma muss die für sie passende Lösung finden.»

«Verzögert den Erholungsprozess»

Doch das Engagement für den Job hat auch Schattenseiten. Er stelle fest, dass sich Mitarbeitende im Homeoffice oft unter Druck setzten, sagt Laurenz Meier, Arbeitspsychologe an der Universität Neuenburg. «Daher ist es möglich, dass sie auch krank arbeiten, in der Angst, bei der Chefin oder dem Chef den Eindruck zu erwecken, faul zu sein und jetzt auch noch auf krank zu machen.»

Meier erachtet es jedoch als problematisch, im Homeoffice krank weiterzuarbeiten. «Sich fiebrig mit Medikamenten für die Arbeit aufzuputschen, verzögert den Erholungsprozess.» Gleich verhalte es sich mit Angestellten, die krank im Büro arbeiteten. «Sie generierten zusätzliche Kosten, weil sie sich dadurch weniger gut erholten und in der Folge öfter krank waren.»

Auch Vertretende von Arbeitnehmern beurteilen das Verhalten kritisch. «In vielen Firmen mit Homeoffice-Jobs besteht beim betrieblichen Gesundheitsmanagement Nachholbedarf», sagt Stefan Studer, Geschäftsführer von Angestellte Schweiz. Oft deckten die Gesundheitskonzepte das Homeoffice nicht mit ab. Die Mitarbeitenden wüssten oft nicht genau, was im Homeoffice bezüglich Gesundheitsschutz gelte, und meldeten es dem Arbeitgeber unter Umständen nicht, wenn sie krank seien. «Sie arbeiten vielleicht weiter, statt sich ins Bett zu legen, weil sie sich im Homeoffice mehr zu Hause fühlen als im Betrieb.» Dies würde eine tiefere Absenzenquote im Homeoffice erklären.

Dem Arbeitgeber auf der anderen Seite fehlen laut Studer in diesem Fall wichtige Informationen über den Gesundheitsstand seiner Mitarbeitenden und er kann keine entsprechenden Massnahmen treffen. Deshalb seien gleiche Regeln für den Gesundheitsschutz im Homeoffice wie im Betrieb unabdingbar. 

Quelle: 20min