Studie findet Teer in neuem Tabakerhitzer – Philip Morris wehrt sich 

Philip Morris bewirbt seine «Iqos»-Tabakerhitzer als gesündere und teerlose Alternative zur Zigarette. Nun soll eine Untersuchung das Gegenteil beweisen. Der Iqos-Hersteller bemängelt die Untersuchungsmethode. 

Darum gehts

  • Die Iqos-Tabakerhitzer sollen laut Hersteller frei von Teer sein. Eine durch das Blaue Kreuz in Auftrag gegebene Studie soll nun das Gegenteil beweisen. 
  • Im neuen Iqos-Produkt Iluma soll Teer gefunden worden sein. 
  • «Es müssen dringend weitere Untersuchungen angestellt werden», sagt Markus Wildermuth vom Blauen Kreuz. 
  • Hersteller Philip Moris wehrt sich: «Eine vereinfachte Gewichtsmessung, wie sie in der Untersuchung durchgeführt wurde, funktioniert bei Aerosolen nicht.»

Schonender, geruchsfrei, gesünder: Mit diesen Versprechen locken Tabakproduzenten Raucherinnen und Raucher zum Konsum von Tabakerhitzern. Auch Marktführer Philip Morris International (PMI) vertreibt die «Heat not Burn»-Produkte über seine Iqos-Linie. Weil der Tabak lediglich erhitzt statt verbrannt wird, führt das gemäss dem Hersteller zu weniger Schadstoffemission beim Rauchen. «Zigaretten produzieren Teer. Iqos nicht», so der Slogan. Eine neue Studie, die vom Blauen Kreuz Bern in Auftrag gegeben wurde, belegt nun, dass das nicht ganz stimmt: In der Untersuchung eines unabhängigen Labors wurde festgestellt, dass das neueste Iqos-Produkt – Iqos Iluma – beim Abrauchen Teer freisetzte. So liegt der Teergehalt bei zwei abgerauchten Tabak-Sticks bei insgesamt 28,64 mg. Auch andere gesundheitsschädigende Carbonylverbindungen wurden laut dem Laborbericht, der 20 Minuten vorliegt, gefunden: etwa krebserregendes Formaldehyd und giftiges Acrolein.

PMI stehe in der Verantwortung, Studien zu liefern

Die Ergebnisse seien ein klarer Beleg, dass das neue Iqos-Produkt Rauch sowie Teer produziert, sagt Markus Wildermuth, Leiter Information des Blauen Kreuzes Bern-Solothurn-Freiburg. Zudem stelle sich die Frage, ob beim Erhitzungsprozess andere, noch nicht bekannte gesundheitsschädigende Stoffe entstehen. Wildermuth betont: «Es müssen weitere unabhängige Untersuchungen getätigt werden.»

Der vom Labor vorgefundene Teergehalt sei ähnlich hoch wie bei herkömmlichen Zigaretten, sagt Markus Meury, Mediensprecher von Sucht Schweiz: «Gemäss der Studienergebnisse werden mehr Schadstoffe inhaliert als bisher angenommen, aber nicht mehr als bei normalen Zigaretten.»

Politik fordert Untersuchung

SP-Gesundheitspolitikerin Yvonne Feri sieht sich durch die Studie in ihrem Engagement für ein Werbeverbot für Tabakprodukte bekräftigt. «Tabakkonsum ist immer ungesund, egal in welcher Form. Wenn Iqos Tabakkonsum ohne Teer verspricht und dieses Versprechen nicht halten kann, ist das eine Täuschung der Konsumentinnen und Konsumenten.»

Bei gesundheitsschädigenden Produkten müssten die Kundinnen und Kunden sich darauf verlassen können, dass sie von der Werbung nicht in die Irre geführt werden. «Nach dem Tabakwerbeverbot für Kinder müssen wir darüber nachdenken, Werbung für Tabakprodukte generell zu verbieten», sagt Feri. Auf jeden Fall brauche es jetzt eine unabhängige Untersuchung über die Schädlichkeit von Tabakersatzprodukten.

Dem stimmt GLP-Nationalrat Jörg Mäder zu: «Es ist an der Zeit, mit unabhängigen behördlichen Untersuchungen Klarheit zu schaffen. Wenn die Hersteller mit etwas werben, das nicht stimmt, muss dem ein Riegel vorgeschoben werden. Es ist gut möglich, dass Ersatzprodukte weniger schädlich sind als Zigaretten. Es muss aber transparent gemacht werden, wie schädlich sie trotzdem sind – das muss den Kundinnen und Kunden vor dem Kauf bewusst sein.»

Hersteller wehrt sich 

Philip Morris wehrt sich auf Anfrage gegen den Vorwurf, mit falschen Versprechen zu werben: «Teer ist der Rückstand von Rauch, nachdem eine Zigarette abgebrannt wurde. Iqos erzeugt keinen Rauch und somit auch kein Teer, da es den Tabak nicht verbrennt, sondern erhitzt», sagt Pressesprecher Julian Pidoux. «Es erzeugt Aerosol-Rückstände, die sich grundlegend von Teer unterscheiden und im Vergleich zu Zigarettenrauch deutlich geringere Mengen an schädlichen Chemikalien und keine festen Partikel enthalten.» 

Pidoux kritisiert die Untersuchungsmethode: «Beim Vergleich von Zigaretten und rauchfreien Produkten funktioniert eine vereinfachte Gewichtsmessung nicht. Stattdessen muss die Zusammensetzung der Aerosole untersucht und verstanden werden, um die Toxizität der Produkte zu ermitteln.»

«Es wurde Teer nachgewiesen – die Menge kann aber abweichen»

Auf die Kritik an der Methode angesprochen, sagt Wildermuth vom Blauen Kreuz: «Es stimmt, dass es noch keine standardisierte Methode zur Teerbestimmung von Iqos-Produkten gibt. Der Laborbericht zeigt jedoch auf, dass der Rauch auch Teer enthält – die Menge kann je nach Methodik von den ermittelten Daten abweichen. Daher braucht es zwingend weitere unabhängige Untersuchungen dazu.»

Dass ein Teergehalt nicht vollständig ausgeschlossen werden kann, steht laut Wildermuth auch auf der Homepage von Iqos im Kleingedruckten. Tatsächlich ist auf der österreichischen und der deutschen Seite des Unternehmens zu lesen: «Der Begriff ‹Teer› wird traditionell mit dem Zigarettenrauch in Verbindung gebracht und trifft nicht vollständig auf Iqos-Tabakdampf zu.» 

Gemäss dem Bundesamt für Gesundheit (BAG) gelten Tabakerhitzer in der Schweiz nicht als Zigaretten und müssen daher auch keine Teer-Grenzwerte einhalten. Das sagt Sprecherin Katrin Holenstein auf Anfrage. «Wir gehen davon aus, dass Iqos deutlich weniger schädlich ist als klassische Zigaretten», so Holenstein. 

Quelle: 20min.ch