Lidl stoppt den Verkauf von «Nerf»-Spielzeugwaffen

Der Discounter will aktuell weder mit Krieg noch mit Gewalt in Verbindung gebracht werden. Darum zieht Lidl Plastikpistolen der bekannten US-Marke aus dem Verkehr.

Unternehmen auf der ganzen Welt kappen ihre Beziehungen zu Russland. Wegen des Krieges in der Ukraine verschwinden russische Produkte aus den Regalen (siehe Box), Läden und Produktionsstätten im Land werden vorübergehend dicht gemacht, Lieferungen eingestellt. 

Nun reagiert auch Lidl Schweiz. Zwar bezieht der Discounter keine Produkte aus Russland, die er aus dem Sortiment hätte werfen können. Dennoch will Lidl derzeit in keiner Weise mit Krieg oder Gewalt in Verbindung gebracht werden. Daher stoppt das Unternehmen ab Montag den Verkauf von zwei Sets mit Spielzeugpistolen. 

Plastikwaffen aus den USA

Im Katalog auf seiner Webseite sind die Produkte noch abgebildet. Quer über den Bildern prangt jedoch ein Hinweis, der einem Zensur-Balken ähnlich ist. Darauf steht: «Aufgrund der aktuellen Geschehnisse haben wir dieses Produkt aus dem Verkauf genommen.» 

Bei den Produkten handelt es sich um Druckluft-Pistolen der bekannten Marke «Nerf». Lidl verkauft bisher die Plastikpistole «Alpha Strike Claw QS-4» mit vier Geschossen für 9.99 Franken. Das zweite Produkt ist ein ganzes Set mit Pistole, Gewehr und etlichen Patronen für 34.90 Franken. Besitzer der Marke ist der US-Spielzeughersteller Hasbro.

«Aus Respekt und Rücksicht»

Schon am Wochenende gab es auf der Webseite von Lidl die Produkte nicht mehr zum Kaufen. Der entsprechende Link führte ins Leere. Auf Anfrage teilt ein Lidl-Sprecher 20 Minuten mit: «Wir haben die Produkte aufgrund der aktuellen Geschehnisse und aus Respekt und Rücksicht aus dem Verkauf genommen.»

Lidl Schweiz habe wegen der Ereignisse in der Ukraine den Verkauf dieser Produkte hinterfragt, sagt der Sprecher. Aufgrund der Ereignisse in der Ukraine waren wir intern gerade daran, unser Angebot kritisch zu hinterfragen. Als dann gleichzeitig noch Kundenhinweise zu diesen Produkten reinkamen, habe sich Lidl für den Verkaufsstopp entschieden.

Lidl habe im Bereich der Warenbestellungen oft sehr lange Vorlaufzeiten. Teils bestelle das Unternehmen seine Waren über ein Jahr im Voraus. «Darum ist es überhaupt erst zu der erwähnten Werbung gekommen.» Vom Verkaufsstopp betroffen seien derzeit nur die beiden Nerf-Produkte. «Wir haben aktuell aber ein besonderes Auge auf unser Angebot und beobachten die Ereignisse sehr genau», so der Sprecher.

Konsumentenschutz kritisiert

Sara Stalder begrüsst die Aktion von Lidl grundsätzlich. «Auch wenn damit eine medienwirksame Imagekampagne für den Konzern einhergeht», sagt die Geschäftsleiterin der Stiftung für Konsumentenschutz. «Es ist aber sehr bedenklich, dass erst Krieg in nächster Nähe dazu führt, dass solch umstrittene Spielzeuge aus dem Sortiment genommen werden.»

Die Spielzeugwaffen von Nerf gibt es unter anderem bei Coop noch zu kaufen. Die Detailhändlerin teilt mit, er prüfe diesbezüglich das Sortiment, ob Artikel aus dem Verkauf genommen werden. Konkurrentin Migros verkauft ebenfalls die Plastikwaffen. Für eine Stellungnahme war das Unternehmen am Wochenende nicht zu erreichen.