Erste Reaktionen: Lockerungen lösen Jubel und Skepsis aus

Morgen fallen fast alle Corona-Massnahmen. So reagieren Branchenvertreter in den Regionen auf das «neue Normal».

Ab morgen ist die Zertifikatspflicht für Restaurants, Fitnesscenter oder Clubs passé. Der Bundesrat hält lediglich an der Isolation positiv getesteter Personen und an der Maskenpflicht im öffentlichen Verkehr sowie in Gesundheitseinrichtungen fest. Dies führt schweizweit zu grosser Erleichterung, aber auch zu Bedenken.

Basel-Stadt: «Freude pur» in Fitnesscentern

Mehr als nur zufrieden über die raschen Lockerungen äussern sich gegenüber SRF mehrere Fitnessbetriebe. «Nach dem Bundesratsentscheid ist mir wirklich ein Stein vom Herzen gefallen», sagt etwa Gian Maria Godenzi, Manager des Indigo Fitness in Basel. «Es herrscht gerade Freude pur».

Nun endlich Aussicht auf einen normalen Betrieb zu haben, sei sehr surreal: «Das erste Mal nach zwei Jahren bedeutet das wieder Normalbetrieb für mich und meine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.»

Luzern: Feierstimmung in der Gastronomie

Auch Wirtinnen und Wirte freuen sich, dass Restaurantbesuche wieder ohne Maske und ohne Zertifikat möglich sind. «Ich weiss zwar noch nicht, wie wir das feiern, aber irgendetwas werden wir uns schon einfallen lassen», sagt Ruedi Stöckli vom Luzerner Gastronomieverband. Er sei überzeugt, dass die Restaurants in nächster Zeit gut ausgelastet sein werden.

Besonders die Betriebe auf dem Land hofften jetzt auf eine Rückkehr zur Normalität. «Sie hatten stärker mit den Auswirkungen der Massnahmen zu kämpfen als die Stadtrestaurants, die schon länger wieder gut gebucht sind.»

So reagiert die Bevölkerung: Beispiel Bern

Die Meinungen der Bevölkerung über die Turbo-Öffnungen gehen in Bern auseinander. «Ich finde die Lockerungen übertrieben, weil man so auf viele Menschen keine Rücksicht mehr nimmt», sagt ein Mann, der selbst mit gesundheitlichen Problemen kämpft.

«Unverständlich», nennt ein anderer Mann die Lockerungen angesichts der hohen Fallzahlen.

Eine junge Frau hat gemischte Gefühle – aus ganz anderen Gründen. Man realisiere es noch gar nicht, dass man in wenigen Stunden keine Masken mehr tragen müsse. «Ich frage mich jetzt auch, warum ich mich überhaupt habe impfen lassen.»

Ihre Kollegin bläst ins gleiche Horn: Sie sei froh, dass die Massnahmen wegfallen. Andererseits frage sie sich nun schon, warum sie sich gerade geboostert habe.

Appenzell: ÖV-Branche nimmt’s zur Kenntnis

Weniger euphorisch tönt es bei den Appenzeller Bahnen. «Wir hätten uns gewünscht, dass die Maskenpflicht auch im ÖV jetzt fällt», sagt Direktor Thomas Baumgartner. In Anbetracht der immer noch hohen Fallzahlen habe er aber Verständnis für den Entscheid. Die Sicherheit der Fahrgäste gehe vor.

Das Ganze habe ja ein Ablaufdatum – die Maskenpflicht soll voraussichtlich Ende März aufgehoben werden. Baumgartner vermutet, dass es im ÖV vermehrt Reisende haben wird, die keine Maske mehr bei sich haben.

Zürich: Clubs tasten sich ans «neue Normal» heran

Im Nachtleben sei die Erleichterung über die Lockerungen gross, sagt Alexander Bücheli als Vertreter der Zürcher Bar- und Clubkommission. Die Clubs könnten so wieder wirtschaftlich tragbar arbeiten. «Wir sind zudem froh, wieder ausnahmslos alle Gäste begrüssen zu können.» Schliesslich stünden die Clubs doch auch für eine gesellschaftliche Offenheit.

Die grosse Frage sei, wie sich das Publikum verhalten werde. «Wir gehen nicht davon aus, dass dieses Wochenende alle Betriebe überrannt werden», schätzt Bücheli. Deshalb könne man wohl erst in ein paar Monaten sagen, wie das «neue Normal» sei.

Thurgau: Mulmiges Gefühl in Heimen

Etwas vorsichtig klingt es auch aus der Pflegebranche: «Ich kann das Vorgehen nachvollziehen, aber mir ist etwas bange», sagt Marlene Schadegg, Präsidentin bei Curaviva Thurgau, dem Verband der Alters- und Pflegeinstitutionen. Es werde weiterhin viele krankheitsbedingte Ausfälle geben. Das Virus sei mit dem Ende der Massnahmen nicht weg.

Im Gegensatz zu Besuch und Pflegepersonal müssen Bewohnende keine Maske tragen. Die Kantone können aber strengere Massnahmen anordnen. Im Thurgau finden laut Marlene Schadegg am Donnerstag solche Absprachen statt. Sie denkt dabei etwa an eine Maskenpflicht für Bewohnende in besonderen Situationen.

Quelle: srf.ch