Gastbeitrag: «Der Abfalleimer muss weg, Innovation her»

Lesen Sie in diesem Gastbeitrag ein Interview von Andrea Holenstein, Geschäftsführerin von öbu-Mitglied greenfocus, mit EPEA-Switzerland-CEO, Albin Kälin. In der gekürzten Version des Interviews erfahren Sie, was es mit der Zertifizierung Cradle-to-Cradle auf sich hat und was Unternehmen auf dem Weg zum Zertifikat beachten müssen.

(Das Interview in voller Länge finden Sie hier.)

Herr Kälin, was braucht es, damit sich eine Firma als Kreislaufwirtschafts- oder Cradle-to-Cradle-Unternehmen – von der Wiege in die Wiege – bezeichnen darf?

Da müssen wir zuerst die Begriffe präzisieren. Es sind die Produkte und nicht die Unternehmen, die kreislauffähig sind oder das Zertfikat Cradle-to-Cradle erhalten. Kreislaufwirtschaft ist ein allgemeiner Begriff, den alle verwenden dürfen, Cradle-to-Cradle hingegen ist eine international verwendete, geschützte Marke. Sie stellt sicher, dass die zertifizierten Produkte nachweisbar eine kreislauffähige und schadstofffreie Qualität aufweisen. Das geschützte Zertifikat Cradle-to-Cradle-Certified ermöglicht den Unternehmen, ihre Produkte durch unparteiische, unabhängige Dritte bewerten und auszeichnen zu lassen.  ‍

Wie viele und welche Unternehmen bieten in der Schweiz Cradle-to-Cradle-Produkte an?

Folgende 16 Schweizer Firmen, die von EPEA Switzerland unterstützt werden, bieten Cradle-to-Cradle zertifizierte Produkte an: Alfa Klebstoffe, Archroma, Bauwerk, Calida, Clariant, Climatex, Flawa Consumer, Flokk Giroflex, Johann Müller AG, Lanz Natur, OceanSafe AG, Pfister, Textilcolor, USM, VF Napapijri und Vögeli.  ‍

Das sind leider noch nicht so viele. Warum? 

Die meisten Produkte, die wir begutachten, erfüllen die Kreislauffähigkeit und Schadstofffreiheit nicht, da alle aus einem linearen Denkansatz heraus entwickelt wurden. Das bedeutet, es braucht ein Redesign des Produkts. Und da Cradle-to-Cradle ein anderes Denken voraussetzt, ist dies anspruchsvoll. Es reicht nicht, aus einer linearen Produktionslinie, an deren Ende immer ein Abfalleimer steht, einen Kreis zu machen und zu meinen, die Kreislauffähigkeit sei dadurch gewährleistet. Dies funktioniert eben nicht, denn der Abfalleimer ist immer noch da und dieser muss weg. Echte Kreislauffähigkeit kann nur über Innovation erreicht werden – nur diese Art von Produktedesign verdient die Bezeichnung Cradle-to-Cradle. ‍ 

(Das Interview in voller Länge finden Sie hier.)

Herr Kälin, was braucht es, damit sich eine Firma als Kreislaufwirtschafts- oder Cradle-to-Cradle-Unternehmen – von der Wiege in die Wiege – bezeichnen darf?

Da müssen wir zuerst die Begriffe präzisieren. Es sind die Produkte und nicht die Unternehmen, die kreislauffähig sind oder das Zertfikat Cradle-to-Cradle erhalten. Kreislaufwirtschaft ist ein allgemeiner Begriff, den alle verwenden dürfen, Cradle-to-Cradle hingegen ist eine international verwendete, geschützte Marke. Sie stellt sicher, dass die zertifizierten Produkte nachweisbar eine kreislauffähige und schadstofffreie Qualität aufweisen. Das geschützte Zertifikat Cradle-to-Cradle-Certified ermöglicht den Unternehmen, ihre Produkte durch unparteiische, unabhängige Dritte bewerten und auszeichnen zu lassen.  ‍

Wie viele und welche Unternehmen bieten in der Schweiz Cradle-to-Cradle-Produkte an?

Folgende 16 Schweizer Firmen, die von EPEA Switzerland unterstützt werden, bieten Cradle-to-Cradle zertifizierte Produkte an: Alfa Klebstoffe, Archroma, Bauwerk, Calida, Clariant, Climatex, Flawa Consumer, Flokk Giroflex, Johann Müller AG, Lanz Natur, OceanSafe AG, Pfister, Textilcolor, USM, VF Napapijri und Vögeli.  ‍

Das sind leider noch nicht so viele. Warum? 

Die meisten Produkte, die wir begutachten, erfüllen die Kreislauffähigkeit und Schadstofffreiheit nicht, da alle aus einem linearen Denkansatz heraus entwickelt wurden. Das bedeutet, es braucht ein Redesign des Produkts. Und da Cradle-to-Cradle ein anderes Denken voraussetzt, ist dies anspruchsvoll. Es reicht nicht, aus einer linearen Produktionslinie, an deren Ende immer ein Abfalleimer steht, einen Kreis zu machen und zu meinen, die Kreislauffähigkeit sei dadurch gewährleistet. Dies funktioniert eben nicht, denn der Abfalleimer ist immer noch da und dieser muss weg. Echte Kreislauffähigkeit kann nur über Innovation erreicht werden – nur diese Art von Produktedesign verdient die Bezeichnung Cradle-to-Cradle. ‍   ‍

Albin Kälin,
CEO EPEA Switzerland GmbH

Wo liegen besondere Herausforderungen bei der Umstellung auf Cradle-to-Cradle?

Eine zusätzliche Herausforderung besteht im Einbezug der Konsument*innen. Wie bringen wir sie dazu, die Produkte wieder zurückzubringen, damit sich der Kreislauf schliesst? Um dieses Ziel zu erreichen, braucht es umfangreiche Anpassungen des jeweiligen Geschäftsmodells. ‍ 

Wie sieht es bei den Kosten für die Caradle-to-Cradle-Zertifizierung aus?

Die Kosten sind vergleichbar mit anderen Zertifizierungen, es kommen jedoch die wissenschaftlichen Bewertungen der Produkte sowie die Einführung der Rücknahmesysteme und die Wiedereingliederung in die industrielle Lieferkette hinzu. Wir setzen oft Projekte mit über 50 bis 100 Lieferantenketten um. Dies erfordert natürlich die Bereitstellung entsprechender  Budgets.  ‍ 

Kann sich ein KMU so etwas leisten?

Ja, es gibt viele kleine und mittlere Unternehmen, die sich so etwas leisten können, weil wir mit der Cradle-to-Cradle-Zertifzierung ja Mehrwert schaffen. Dazu gehören auch eine bis anhin unerreichte Transparenz in der Lieferkette sowie eine unabhängige Kommunikation nach aussen. ‍ 

Welche Branchen eignen sich besonders für Cradle-to-Cradle und welche nicht?

Die Zertifizierungen Cradle to Cradle und Cradle to Cradle Certified ermöglichen einen Denkansatz beziehungsweise die Zertifizierung für alle Produkte aus allen Industrien, ausser ein paar wenigen, die nicht erwünscht sind. Dazu gehören insbesondere Waffen, Tabakwaren, Kernkraft, Fracking, Benzin- oder Dieselfahrzeuge, Tropenhölzer, Federn von lebend gerupften Gänsen oder Enten, Pelze, krebserzeugende, giftige und schädliche Chemikalien sowie Substanzen, für die Tiere getötet werden müssen. ‍ ‍   

Gastautorin:
Andrea Holenstein
Senior Beraterin und Gründerin von greenfocus

Wie wird eine saubere Kreislaufwirtschaft kontrolliert?‍ 

Leider ist auch hier «Greenwashing» an der Tagesordnung. Durch die unabhängigen, geschützten Zertifizierungen Cradle-to Cradle Certified und C2C Certified Material Health Certificate können diese Produkte unparteiisch bewertetet werden. ‍ ‍ 

Wie steht es mit der Kreislaufwirtschaft in der Schweiz?‍ 

Sowohl die Politik wie auch die Unternehmen machen viel zu wenig, um nach einem echten Kreislaufprinzip zu wirtschaften. Die Schweiz gehört weltweit zu den Top 3 Ländern im Produzieren von Abfällen und ist eindeutig Weltmeisterin im Abfallverbrennen. Damit werden Ressourcen unwiederbringlich zerstört oder sie stehen den kommenden Generationen nicht mehr in guter Qualität zur Verfügung. Dies ist der falsche Weg. Doch es gibt auch eine gute Nachricht. Es existieren durchaus einige Leuchtturmfirmen in der Schweiz, die das Kreislaufprinzip erfolgreich umsetzen.

Kontakt:
Andrea Holenstein
andrea.holenstein@greenfocus.ch
+41 79 568 26 63

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